Wer liebt nicht den Anblick eines ordentlichen, nicht zu vollen Kleiderschranks? Seit Netflix die Aufräumexpertin Marie Kondo und ihr Ordnungssystem weltweit bekannt gemacht hat, ist „Decluttering“ – das Entrümpeln – zum Schlagwort geworden. Das gilt erst recht in Zeiten der Pandemie, in denen die Menschen vermehrt zu Hause bleiben und Zeit zum Aufräumen haben.

Was aber mit den Dingen tun, die – so formuliert es Kondo – „keine Freude mehr bereiten“? Obwohl Secondhandmode wieder an Beliebtheit gewinnt, enden die meisten Kleidungsstücke doch weiterhin im Müll.

Drei Viertel aller Kleidungsstücke landen auf der Mülldeponie

Von den mehr als 60 Millionen Tonnen natürlichen und synthetischen Textilfasern, die jedes Jahr für Bekleidung hergestellt werden, enden laut der Ellen MacArthur Foundation 73% auf der Deponie oder werden verbrannt.

Während in vielen Ländern Wertstoffe wie Kunststoff, Glas oder Papier wiederverwertet werden, macht der Recyclinganteil bei Kleidung Schätzungen zufolge nur 1% aus. Woran liegt das? Bei Textilien handelt es sich um ziemlich komplexe Systeme. Sie enthalten verschiedene Arten von Fasern sowie Farb-, Füll- und Zusatzstoffe, was ihre Umwandlung in neuwertige Rohstoffe erschwert.

Die textile Revolution anstossen 

Als Experte für Trenntechnik und chemische Recyclingverfahren stellen wir uns diesem drängenden Umweltproblem. Sulzer und H&M üben die gemeinsame Kontrolle über das in Grossbritannien ansässige Unternehmen Worn Again aus. Die Teams arbeiten derzeit an einem einzigartigen Verfahren für das Recycling von Textilien, die am Ende ihrer Nutzung wieder in neuwertige Rohstoffe umgewandelt werden sollen.

Neue Recyclingtechnologie macht textile Kreislaufwirtschaft möglich.

Aus alt mach neu

Sulzer hat gemeinsam mit H&M und Worn Again ein neues Recyclingverfahren für die Textilindustrie entwickelt. Dabei werden Alttextilien in ihre Bestandteile zerlegt, und die eingesetzten Kunststoff- oder Naturfasern wie PET oder Baumwolle werden zurückgewonnen. Das hört sich einfach an, aber die chemischen Prozesse hinter dieser neuartigen Technologie sind komplex.

Polyestertextilien sind komplexe Materialien aus verschiedenen Arten von Fasern, die Farb-, Füll- und Zusatzstoffe enthalten. PET ist eine Polyesterart, die häufig zur Kleiderherstellung verwendet wird. Die meisten Kleidungsstücke bestehen jedoch aus Mischmaterial, überwiegend aus sogenanntem PET-Baumwoll-Mischgewebe.

So funktioniert das chemische Recycling von Textilien 

Das chemische Recyclingverfahren ist komplex: In einem ersten Schritt, der „Auflösung“, wird das PET-Material unter Einsatz von Lösungsmitteln aufgelöst, und Farbstoffe, Katalysatoren und sonstige organische Zusatzstoffe werden entfernt. Andere Chemikalien lösen die Farbstoffe aus den Zellulosefasern.

Die nicht löslichen Zusatzstoffe werden als feines Pulver abgeschieden und ausgefiltert. Das Ergebnis sind zwei Produkte: Chips aus reinem PET-Harz und ein Zellulose-Zellstoff, der wieder zu einer Zellulosefaser verwoben werden kann. Das so erhaltene neuwertige PET und die Zellulose können zur Herstellung neuer Kleidungsstücke wiederverwendet werden.

Die Teams forschen derzeit an einer Lösung, um die bei diesem Prozess anfallenden Nebenprodukte (beispielsweise Farbstoffe oder Oberflächenbehandlungsmittel) zu brauchbaren Endprodukten zu verfeinern, statt sie, wie bisher, zu verbrennen oder auf der Deponie zu entsorgen.

Einzigartige Recyclingtechnologie

Unsere Technologie ist einzigartig, weil sie die chemische Zusammensetzung des Materials nicht verändert und PET und Baumwolle/Zellulose, anders als bei anderen Recyclingverfahren, in einem einzigen Prozess getrennt werden. Das spart Energie. Mithilfe der neuen Demonstrationsanlage werden unsere Spezialisten die Technologie weiterentwickeln und skalieren, um sie kommerziell verfügbar zu machen.

Scale-up eines neuartigen Recyclingverfahrens

Sulzer liefert Anlagen, Technologie und Expertise, die in Kombination mit der einzigartigen Lösungsmitteltechnologie von Worn Again das Herzstück des Prozesses bilden. Unsere Technologie ermöglicht die Umwandlung von Altkleidern aus Polyester und Baumwolle in Polyesterpellets und Zellulose-Zellstoff, die weiter zu neuen Fasern versponnen werden können. Damit schliessen wir den Kreislauf in der Textilindustrie.

Nach umfassender Forschung und Entwicklung waren die Ergebnisse der Pilotanlage vielversprechend. Unsere Experten bauen derzeit eine grössere Demonstrationsanlage mit einem geplanten Output von 1’000 Tonnen jährlich – als letzten Tauglichkeitsnachweis der Technologie für die Vermarktung.

Aus alten Kleidern neue machen? Sulzer, H&M und Worn Again machen es möglich!
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