Sulzer Technical Review Issue 1 / 2016

Pumpenfertigung der Zukunft

16. März 2016 | Robert Laflamme

Sulzer fertigt nicht nur Pumpen in höchster Qualität, sondern geht auch auf die Forderung von Kunden nach kurzen Lieferzeiten, unmittelbarer Nähe und günstigen Preisen ein. Nun revolutioniert Sulzer seine Pumpenfertigung mit einer Neuausrichtung der Fabriken.

Die neue Struktur des globalen Fertigungsnetzwerks von Sulzer umfasst drei Fabrikfamilien für:

  • Pumpen für höchste Anforderungen und Spezialanwendungen
  • anpassbare Pumpen
  • konfigurierte Pumpen und Standardpumpen

>Darüber hinaus ist eine vierte Fabrikfamilie für Vertikalpumpen in Form dedizierter Fertigungslinien innerhalb verschiedener Fabriken vorgesehen. Der Unterschied zwischen den Fabriktypen liegt mehr im Geschäftsmodell und der Konfiguration der Lieferkette innerhalb des Sulzer-Konzerns als in den Pumpentypen selbst. Im Prinzip könnte ein Pumpentyp in allen Familien gefertigt werden. Die grössten Pumpen werden allerdings üblicherweise in Fabriken für Spezialanwendungen und die kleinsten in Fabriken der Familie für konfigurierte Pumpen/Standardpumpen gefertigt. Im Segment der Spezialanwendungen werden sowohl die Pumpe (ohne Motor, Kupplung und Zusatzaggregate) als auch das gesamte Aggregat, das sogenannte Package, auf die besonderen Anforderungen des Kunden zugeschnitten.

Auf diese Weise ist sichergestellt, dass Pumpe und Package die richtige Leistungsfähigkeit, Effizienz und Zuverlässigkeit für jede Anwendung bieten. Dabei ist Sulzer in der Lage, strengste Anforderungen seitens der Kunden hinsichtlich Dokumentation, Inspektion, Beschränkungen der Lieferkette und Rückverfolgbarkeit zu erfüllen.

Das Segment der anpassbaren Pumpen basiert auf bewährten Konfigurationen für die Pumpe. Die vordefinierten Packages werden dazu nach den Vorgaben des Kunden angepasst. So kann Sulzer hervorragende Produkte für eine breite Palette von Anwendungen mit kürzeren Lieferzeiten anbieten. Hinzu kommen Vorteile durch den Bezug von gleichen Komponenten in grösseren Mengen aus einer optimierten Lieferkette. Das Segment der konfigurierten und Standardpumpen bietet Sulzer den Vorteil der Serien- und Lagerfertigung von Komponenten und Pumpen.

So werden Lieferzeiten und Kosten minimiert, und trotzdem kann ein grosses Spektrum von Optionen angeboten werden. Bild 1 zeigt Beispiele von konfigurierten und Standardpumpen.

Die Prozesspumpe der Reihe Ahlstar A ist ein Beispiel für ein konfiguriertes Produkt. (links). Zu den Standardprodukten gehören z. B. die Abwassertauchpumpen vom Typ ABS XFP. (rechts).

Vorteile der neuen Ausrichtung

Durch die Harmonisierung innerhalb der Familien ist Sulzer in der Lage, für jeden Kundenauftrag den optimalen Fertigungsstandort für Komponenten, Pumpen und ganze Aggregate auszuwählen. Ausserdem ermöglicht dies eine effektivere Nutzung des konsolidierten weltweiten Lieferantenstamms. Mit diesen Anpassungen ist Sulzer in der Lage, unterschiedlichen Kundenanforderungen in puncto Lieferzeiten, Nähe, Material, Lieferantenbeschränkungen, Rückverfolgbarkeit und Preis gerecht zu werden.

 

Darüber hinaus kann die Last besser auf die Fabriken verteilt werden. Die gegenseitige Hilfe und der Austausch innerhalb der Fabrikfamilien werden gefördert, und neue Verbesserungen können schnell überall auf der Welt eingeführt werden. Kurzum: Sulzer kann seine Fertigungskapazitäten optimal nutzen.

 

Selbstverständlich werden alle Fabriken nach den weltweiten Sulzer-Qualitätsstandards arbeiten.

 

Unterschiede zwischen den Fabriken

Die Fertigung der grössten und leistungsstärksten Pumpen erfolgt im Spezialanwendungssegment, da für ihre Herstellung und Prüfung eine geeignete Ausrüstung erforderlich ist. Aufgrund der grossen Anzahl von Ausführungen und des unterschiedlichen Zeit- und Arbeitsaufwands, der für jede Pumpe und jedes Package erforderlich ist, nutzt Sulzer eine Kombination aus Fliessfertigung und Werkstattfertigung.

 

Das Segment der anpassbaren Pumpen ist in vielerlei Hinsicht vergleichbar mit der Automobilherstellung. Viele der dort verwendeten Elemente wie Fliessfertigung, Taktfertigung und Just-in-Time-Fertigung sind auch hier zu finden. In den Pumpenfabriken haben sich die Durchlaufzeiten mit der Einführung neuer Montageprozesse verkürzt. Statt einer Zellenfertigung, bei der ein Mitarbeiter eine komplette Pumpe montiert, gibt es nun eine Fliessfertigungslinie, auf der sich die Pumpe kontinuierlich durch die Fabrik bewegt und einen logistischen Just-in-Time-Prozess durchläuft.

Layout von einer der Pumpenfabriken von Sulzer
Das Layout einer der Sulzer-Pumpenfabriken zeigt, wie anpassbare Pumpen in einer neuen Fliessfertigungslinie montiert werden. Durch den Prozess wurde die Durchlaufzeit um bis zu 50% reduziert.

Im Segment für konfigurierte Pumpen bzw. Standardpumpen wird dieses Prinzip noch einen Schritt weiter geführt, etwa durch Automatisierung bestimmter Prozessschritte, um die Fertigung für grössere Serien zu optimieren.

 

Das integrierte Management des globalen Netzwerks ermöglicht es Sulzer, kürzere und stabilere Lieferzeiten zu erreichen, wovon alle Kunden profitieren werden.

 

Durch die verbesserte kostenmässige Wettbewerbsfähigkeit werden mehr Kunden die Möglichkeit haben, Qualitätsprodukte von Sulzer einzusetzen, und Sulzer ist in der Lage, Alternativen mit kürzeren Lieferzeiten, naher Fertigung und einer Lieferkette nach G7-Standards anzubieten.

 

Blick in die Zukunft

Die Mitarbeiter von Sulzer tragen täglich zur Verbesserung der Fabriken bei und gestalten kontinuierlich die Zukunft der Pumpenfertigung. Ein wichtiger Schritt wird darin bestehen, alle guten Ideen, Verbesserungen und Innovationen, die an den verschiedenen Standorten entstehen, zusammenzuführen und weltweit in den Fabrikfamilien einzuführen. Dazu gehören gemeinsame Planungs- und Kalkulationsprozesse. Ziel dieser Rationalisierung ist eine Vereinheitlichung des Erscheinungsbilds der Fabriken und der Prozesse.

 

Darüber hinaus wird Sulzer die Digitalisierung vorantreiben, um die Prozesse und die Produktivität weiter zu verbessern, z. B. durch Einführung von Tablet-Technologie im Fertigungsbereich, Ausweitung der modellbasierten 3-D-CAM-Workflows, Anwendung neuer Inspektionsverfahren, Einführung additiver Fertigungstechnologien und Verbesserung der Planungs- und Dokumentenmanagement-Werkzeuge.

 

Ferner wird Sulzer, ausgehend von aktuellen Technologie-Scouting-Aktivitäten, Neuerungen im Bereich der Fertigungstechnik, Werkstoffe und Automatisierung einführen. Mit diesen Schritten möchte Sulzer sich die Branchenführerschaft in allen wichtigen Kernprozessen und im Bereich der Auftragsabwicklung sichern.


Sulzer Technical Review

Nadia Qaud

Editor-in-Chief


Sulzer Management AG

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