Sulzer hat 2004 wesentlich erfolgreicher gearbeitet. Die Kerndivisionen erzielten, trotz steigender Rohstoffpreise, regionaler politischer Turbulenzen und niedriger Dollarkurse, ein profitables Wachstum. Das Betriebsergebnis und der Nettogewinn stiegen um mehr als 50%, die Finanzlage verbesserte sich weiter. Der Verwaltungsrat schlägt der Generalversammlung eine Dividende von CHF 9 pro Aktie vor.
Märkte
Die für Sulzer wichtigsten Märkte zeigten ein differenziertes, überwiegend positives Bild. Die Nachfrage aus dem Öl- und Gasmarkt blieb lebhaft; sie reflektierte die Investitionsentscheide der Vorjahre. Auf Dauer könnten die Investitionen allerdings zurückgehen. Die Marktlage der Chemischen Prozessindustrie war gut. Die Geschäftstätigkeit in der Papier- und Zellstoffindustrie nahm in den letzten Monaten – vor allem in Asien – erfreulich zu. Obwohl die Automobilindustrie mit Absatzproblemen kämpfte, konnte Sulzer aufgrund stark differenzierter Produkte und Dienstleistungen in diesem schwachen Markt das Geschäft ausbauen. Die Luftfahrtindustrie hat sich noch nicht von den Ereignissen des 11. Septembers 2001 erholt. Ähnlich verhält es sich mit der Energieindustrie, die das Enron-Debakel noch nicht verkraftet hat. Positive Trends waren in der Bergbau- und Metallindustrie sowie in der Nahrungsmittelindustrie auszumachen. Diese Segmente werden für Sulzer, trotz relativ geringen Marktpotenzials, an Bedeutung gewinnen. Auf regionaler Ebene war die Entwicklung in Asien, namentlich in China und Indien, bemerkenswert. Als etabliertes Unternehmen in dieser Region konnte Sulzer zahlreiche Geschäftsmöglichkeiten nutzen.
Strategie
Das erklärte Ziel von Sulzer, Wertzuwachs zu generieren, soll durch einen dreistufigen Ansatz erreicht werden: Die Basis bilden operative Stabilität und Leistung, darauf baut organisches und letztlich externes Wachstum auf. Aktuelle Priorität haben operative Verbesserungen und organisches Wachstum. Im Rahmen unseres Unternehmenskulturprojekts «Our Aspirations» laufen bei allen Divisionen betriebliche Verbesserungsprogramme. Dabei ist besonders die Leistungssteigerung bei Sulzer Pumps hervorzuheben. Während die 2004 unternommenen Schritte erste Früchte tragen, erfordern nachhaltige Ziele mehr Zeit und Ausdauer, um sie zu erreichen. Eine führende Marktstellung erachten wir dann als erstrebenswert, wenn die damit verbundenen Investitionen – sei es für organisches Wachstum oder für Akquisitionen – eine Kapitalrendite erwirtschaften, die über unseren Mindestanforderungen liegt. Im Interesse unserer langfristigen Geschäftsperspektive werden wir folglich nur akquirieren, wenn wir damit einen wesentlichen Wertzuwachs erzielen können. Im Berichtsjahr konnten wir mit drei wichtigen Akquisitionen unsere Marktstellung ausbauen: OSU GmbH in Deutschland und Ambeon in Kanada verstärken die Geschäftsaktivitäten von Sulzer Metco auf den Gebieten Ausrüstung und Material. Sulzer Pumps übernahm die Pumpenmarken Johnston, Paco und Crown mit Werken in den USA und China. Damit wird die Position im Energiesektor, Wasser- und Abwassermarkt sowie in der Kohlenwasserstoffverarbeitung gestärkt. Unsere Servicepräsenz wurde dadurch ebenfalls ausgebaut.
Ergebnisse
Günstige Geschäftsbedingungen, verbunden mit Marktanteilgewinnen, führten 2004 zu einem höheren Volumenwachstum. Der Bestellungseingang des Konzerns belief sich auf CHF 2198 Millionen und liegt somit 15% über dem des Vorjahrs (14% bereinigt um Akquisitions- und Währungseinflüsse). Der Auftragsbestand nahm weiter auf CHF 804 Millionen zu, eine Folge des guten Bestellungseingangs im zweiten Halbjahr 2004. Dies sichert die Umsätze zu Jahresbeginn 2005. Im Berichtsjahr erhöhte sich der Umsatzerlös um 13% auf CHF 2067 Millionen (bereinigt 12%). Hervorzuheben ist, dass die Zunahme des Betriebsergebnisses (EBITA) von CHF 89 Millionen im Vorjahr auf CHF 139 Millionen im Berichtsjahr (56%) hauptsächlich von den Kerndivisionen erwirtschaftet wurde. Ihr Beitrag nahm von CHF 84 Millionen auf CHF 130 Millionen deutlich zu. Die Investitionen von CHF 16 Millionen (Betriebsverlust) in Sulzer Hexis konnten auf Vorjahreshöhe gehalten werden. Angesichts der vielen Ziele, die 2004 erreicht wurden, ist das bemerkenswert. Übrige Geschäftstätigkeiten (Übrige), die stark von Immobilientransaktionen geprägt sind, erreichten mit CHF 25 Millionen ein Betriebsergebnis, das leicht über dem des Vorjahrs (CHF 21 Mio.) liegt. Die Umsatzrendite (EBITA/Umsatz) der Kerndivisionen erhöhte sich von 5% auf 6%. Dieser Anstieg ist auf die operativen Verbesserungen bei Sulzer Pumps und Sulzer Chemtech zurückzuführen, womit das enttäuschende Ergebnis von Sulzer Metco ausgeglichen wurde. Das eingesetzte Betriebskapital veränderte sich geringfügig von CHF 1309 Millionen auf CHF 1303 Millionen und damit entgegen der Umsatzentwicklung. In der Folge verbesserte sich die Kapitalrendite (Return on Capital Employed, ROCE) von 7% auf 11%. Nach Abzug der Goodwillabschreibungen von CHF 28 Millionen resultierte ein Betriebsergebnis (EBIT) von CHF 111 Millionen (Vorjahr CHF 62 Mio.). Der Nettogewinn erhöhte sich von CHF 41 Millionen um 78% auf CHF 73 Millionen. Der entsprechende Gewinn pro Aktie von CHF 21 schneidet im Vorjahresvergleich (CHF 12) gut ab. Aufgrund der gesunden Bilanz und des guten Cashflows schlägt der Verwaltungsrat der Generalversammlung eine Dividende von CHF 9 pro Aktie vor. Dies in Übereinstimmung mit der Dividendenpolitik, die unter Berücksichtigung von Kontinuität und Liquidität eine Ausschüttung von einem Drittel des Reingewinns vorsieht. Als Berechnungsbasis für die Dividende 2004 wurde der Reingewinn vor Goodwillabschreibung verwendet, unter Vorwegnahme einer entsprechenden Änderung der Rechnungslegung ab 2005. De facto entspricht dies einer Anhebung der Ausschüttungsquote.
Divisionen
Sulzer Pumps steigerte die Resultate deutlich. Der Bestellungseingang nahm um 13% zu. Der Umsatz erhöhte sich um 15% auf CHF 1002 Millionen. Die Fokussierung auf Leistungssteigerung schlug sich im Betriebsergebnis (EBITA) nieder, das von CHF 25 Millionen auf CHF 64 Millionen zunahm. Die Umsatzrendite (ROS) übertraf 6%, die Kapitalrendite (ROCE) stieg auf über 17%. Sulzer Pumps erwartet 2005 eine gute Geschäftsentwicklung, auch wenn die akquirierten Pumpenlinien einmalige Integrationskosten verursachen werden.
Sulzer Metco festigte die führende Marktstellung mit einem Zuwachs von 26% beim Bestellungseingang und 23% beim Umsatz (bereinigte Werte 16% respektive 14%).
Der Betriebsgewinn (EBITA) nahm von CHF 17 Millionen auf CHF 19 Millionen zu.
Darin enthalten sind die negativen Auswirkungen (CHF 9 Mio.) von zwei nicht miteinander in Verbindung stehenden Fällen schweren Fehlverhaltens. Sie wurden im Oktober 2004 bereits bekannt gegeben. Umsatz- und Kapitalrendite verharrten demzufolge mit jeweils 4% auf unbefriedigendem Niveau. Unter neuer Leitung hat Sulzer Metco zahlreiche Programme zur Steigerung der Leistungsfähigkeit, insbesondere auch in der Marktbearbeitung, lanciert, wovon wir eine nachhaltig bessere Profitabilität erwarten.
Sulzer Chemtech hielt den Kurs konsequenter Leistungssteigerung. Der Bestellungseingang erhöhte sich um 11%, der Umsatz um 2% (bereinigt 14% respektive 5%); einer der Gründe war das gute Asien-Geschäft. Diese Steigerungen sind umso bemerkenswerter, als die Division im Segment Raffinerien bereits eine sehr starke Marktposition hatte. Das Betriebsergebnis (EBITA) betrug CHF 30 Millionen, die Umsatzrendite erreichte 10% (Vorjahr 8%). Die weitere Optimierung des Nettoumlauf- und Anlagevermögens führte zu einer ausgezeichneten Kapitalrendite von 23%. Die Produkttechnik sowie die Marktstellung der Bereiche Trennkolonnen und Statisches Mischen gelten als hervorragend, entsprechend gut sind die Aussichten.
Sulzer Turbo Services hatte weiter mit einem schwierigen Marktumfeld zu kämpfen. Der Bestellungseingang erhöhte sich um 15%, während der Umsatz um 7% stieg (bereinigt 20% respektive 11%). Die Neuanlagenhersteller (OEM) wandten sich vermehrt dem Servicegeschäft zu und verschärften damit den Wettbewerb. Sulzer Turbo Services konzentrierte sich auf die Qualität der Aufträge und erreichte so ein den Umständen entsprechend zufriedenstellendes Betriebsergebnis von CHF 17 Millionen (Vorjahr
CHF 19 Mio.). Die Umsatzrendite ging von 10% auf 8% zurück. Der Kapitaleinsatz erhöhte sich wegen langfristiger Investitionen in die Eigenproduktion von Ersatzteilen. Die Kapitalrendite reduzierte sich von 10% auf 9%.
Unsere Venture-Division Sulzer Hexis machte gute Fortschritte und konnte bei Brennstoffzellen für Einfamilienhäuser die führende Stellung behaupten. Eine weiterentwickelte Gerätegeneration ist in der Testphase. Die Cash-Aufwendungen beliefen sich 2004 auf CHF 20 Millionen (Vorjahr CHF 19 Mio.), der Betriebsverlust auf CHF 16 Millionen (Vorjahr CHF 16 Mio.). Die Entwicklung der Brennstoffzellengeräte von Sulzer Hexis ist weit fortgeschritten; eine Markteinführung erscheint daher sinnvoll. Dieser Schritt bedingt zusätzliche Industrie- und Finanzpartner. Entsprechende Verhandlungen sollten im Lauf des Jahres abgeschlossen sein. Sulzer Innotec, die zentrale Forschungs- und Entwicklungsabteilung, fand sowohl bei Sulzer Divisionen als auch extern Anerkennung für Innovationskraft, technische Kompetenz und Spezialkenntnisse in Herstellungsprozessen. Das Ergebnis erreichte fast die Gewinnschwelle. Die Erträge von Sulzer Real Estate sind in einem für kommerzielle Objekte schwierigen Markt geringer ausgefallen als im Vorjahr. Eine hohe Entschädigung aus einem Feuerversicherungsfall konnte dies kompensieren.
Unter Übrige haben die Kosten eines Vergleichs im Zusammenhang mit nicht weitergeführten Geschäften sowie erhöhte Rückstellungen für Frühpensionierungen das Resultat beeinträchtigt.
Ausblick
Im Berichtsjahr haben wir uns auf die operative Leistungssteigerung im Rahmen des Unternehmenskulturprogramms «Our Aspirations» konzentriert. Die Resultate waren ermutigend; die nachhaltige Umsetzung in den kommenden Jahren bleibt unser Fokus. Dadurch werden Werte wie Kundenorientierung und Leistung langfristig in der Unternehmenskultur verankert und gelebt. Die den Divisionen vorgegebenen Ziele zur Ergebnisverbesserung bleiben bestehen. Die Divisionen sind heute so positioniert, dass sie ihre Spitzenstellungen im Markt verteidigen und durch Investitionen sichern können; Wachstum und Erfolg werden weitgehend von der Entwicklung des Weltmarkts abhängen. Die Investitionstätigkeiten in der Öl- und Gasbranche werden voraussichtlich nicht im gleichen Umfang anhalten wie im Berichtsjahr. Auch in der Papier- und Zellstoffindustrie lassen hohe Papierpreise auf eine verminderte Marktdynamik schliessen. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Energieerzeugungsindustrie nachhaltig erholen kann. In Asien wird Sulzer als Unternehmen mit regionaler Präsenz die Chancen zu nutzen wissen.
Leonardo E. Vannotti Ulf Berg
Verwaltungsratspräsident CEO