2002 war für den Sulzer-Konzern ein Jahr der Rückkehr zur Stabilität. Die Abwendung der Bedrohung durch den Produkthaftpflichtfall von Centerpulse in den USA, der erfolgreiche Abschluss des Devestitionsprogramms (Verkauf von Sulzer Burckhardt, heute Burckhardt Compression), die Erneuerung des Verwaltungsrats, die Modernisierung der Statuten und das Erreichen stark verbesserter finanzieller Resultate waren die wichtigsten Meilensteine auf diesem Weg.
Der Konzernumsatz belief sich 2002 auf CHF 1946 Mio. Damit konnte er bei den weitergeführten Geschäften im Vorjahresvergleich knapp gehalten werden (–1%); bereinigt um Akquisitionen, Devestitionen und Währungseinflüsse ergab sich ein Wachstum von 4%. Ein Vergleich mit dem offiziell ausgewiesenen Umsatz des Vorjahres (CHF 2988 Mio.) ist nicht sinnvoll, da dort auch Volumen der nicht weitergeführten Bereiche enthalten waren. Der Bestellungseingang lag mit CHF 1917 Mio. nominal 5% unter, bereinigt jedoch 2% über dem Vorjahr.
Die weitergeführten Bereiche erzielten mit insgesamt CHF 143 Mio. ein nur leicht tieferes Betriebsergebnis vor Goodwillabschreibungen (EBITA) als im Vorjahr (–2%). Bei den vier Kerndivisionen ging der EBITA von CHF 123 Mio. auf 97 Mio. zurück, dies als Folge von enormem Preisdruck und hohen Sonderkosten bei Sulzer Metco sowie von operativen Margeneinbussen und Auslastungslücken bei Sulzer Pumps. Der Rückgang des Betriebserfolgs in den Kerndivisionen konnte durch die hohen Verkaufserlöse im Immobilienbereich sowie aus der Devestition von Sulzer Burckhardt mehr als kompensiert werden, sodass für den Konzern ein attraktiver Reingewinn von CHF 83 Mio. resultierte (Vorjahr CHF 2 Mio.). Der Verwaltungsrat schlägt der Generalversammlung – nach dem Ausfall im letzten Jahr – die Ausschüttung einer Dividende von CHF 6 pro Aktie vor.
Fred Kindle, CEO von Sulzer, zum Jahresergebnis: «Es ist erfreulich, dass alle Bereiche trotz einer marktbedingten Volumenstagnation einen deutlich positiven Betriebsgewinn aufweisen. Sulzer steht heute finanziell wie strategisch auf einem sehr stabilen Fundament; wir wollen die Herausforderungen der Zukunft tatkräftig, aber auch mit Zuversicht angehen.»
Die Divisionen im Einzelnen
Bei Sulzer Metco standen im Jahr 2002 Absatz und Preise im Bereich thermische Spritzmaterialien und -anlagen unter starkem Druck. Das Turbinenkomponentengeschäft hat trotz weltweitem Abwärtstrend in der Luftfahrtindustrie und bei den stationären Gasturbinen ein erfolgreiches Jahr hinter sich, während sich die Dünnschichtaktivitäten verhalten positiv entwickelten. Der Bestellungseingang von Sulzer Metco entsprach mit CHF 429 Mio. demjenigen von 2001 (bereinigt –8%); der Umsatz stieg von CHF 422 Mio. auf CHF 465 Mio. (bereinigt –1%). Der EBITA sank von CHF 45 Mio. auf 25 Mio. und liegt damit deutlich unter den Erwartungen. Dies ist auf den starken Margendruck sowie einmalige Kosten von rund CHF 15 Mio. für Restrukturierung und Neubewertung von Anlagen und Lagerbeständen zurückzuführen. Aufgrund der bereits eingeleiteten Massnahmen wird im laufenden Jahr ein klar besseres Betriebsergebnis erwartet.
Nach dem ausserordentlichen Wachstum im Jahr 2001 stagnierte das Volumen von Sulzer Turbomachinery Services im abgelaufenen Jahr. Der Kraftwerksmarkt zeigte nach dem Niedergang von Enron massive Schwächen in den USA; zusätzlich beeinträchtigte die allgemeine Wirtschaftskrise das Volumen. Der Bestellungseingang lag mit CHF 193 Mio. 6% tiefer als 2001 (bereinigt ebenfalls –6%), der Umsatz betrug 2002 wie im Vorjahr CHF 194 Mio. (bereinigt +2%). Der EBITA sank aufgrund der Marktschwächen von ausgezeichneten CHF 25 Mio. im Vorjahr auf CHF 22 Mio. Damit konnte Sulzer Turbomachinery Services dank rasch eingeleiteter Massnahmen das Ergebnis auf hohem Niveau halten. Die Division erwartet im laufenden Jahr eine leichte Wiederbelebung des Marktes und ist vorsichtig optimistisch. Ein allfälliger Irakkrieg würde sich allerdings negativ auf das Geschäft von Sulzer Turbomachinery Services auswirken.
Mit Ausnahme des wichtigen Segments Öl & Gas zeigten sich die für Sulzer Pumps relevanten Märkte in schlechter bis mässiger Verfassung. Die Volumenkennzahlen wurden durch die Wechselkurse stark negativ beeinflusst. So nahm der Bestellungseingang gegenüber dem Vorjahr um 4% auf CHF 942 Mio. ab, in Lokalwährungen aber um 6% zu. Der Umsatz konnte mit CHF 934 Mio. nominal knapp gehalten werden (–1%), während er bereinigt um 9% zulegte. Der EBITA fiel von CHF 47 Mio. im Jahr 2001 auf CHF 38 Mio., dies vor allem wegen ungünstiger Bruttomargenabrechnungen sowie – im vierten Quartal – wegen Auslastungslücken bei den Prozesspumpen. Ziel von Sulzer Pumps im laufenden Jahr ist es, die Umsatzrendite und damit das Betriebsergebnis wieder zu steigern. Die neue Leitung setzt dabei insbesondere auf interne Verbesserungen.
Für Sulzer Chemtech entwickelte sich das Geschäft im Jahr 2002 gesamthaft positiv. Die Marktverhältnisse präsentierten sich regional sehr unterschiedlich: von einem sehr schwachen amerikanischen, einem verhaltenen europäischen bis hin zu einem erfreulichen asiatischen Markt. Trotz anspruchsvoller Wirtschaftsverhältnisse während des gesamten Jahres erreichte der Bestellungseingang mit CHF 299 Mio. praktisch das Niveau des Vorjahres (–1%, bereinigt +5%). Wegen Verzögerungen bei grösseren Projekten und der negativen Währungseinflüsse fiel der Umsatz mit CHF 290 Mio. 7% tiefer aus (bereinigt –1%). Erfreulich ist die Verdoppelung des EBITA von CHF 6 Mio. auf CHF 12 Mio. Dieser Erfolg ist vor allem auf Kostensenkungsmassnahmen zurückzuführen, die im letzten Jahr an verschiedenen Standorten umgesetzt worden waren. Sulzer Chemtech ist zuversichtlich, 2003 eine weitere Steigerung der operativen Ergebnisse zu erreichen, vorausgesetzt, die Situation im Nahen Osten führt nicht zu einer ausgeprägten Krise.
Die Venture-Division Sulzer Hexis erreichte 2002 wichtige Meilensteine in der Vermarktung sowie der technischen Weiterentwicklung der Brennstoffzellensysteme. Mit insgesamt 400 verkauften und 80 ausgelieferten Einheiten der Vorserie «HXS 1000 Premiere» ist die Verankerung im europäischen Markt gut angelaufen. Die Entwicklung der nächsten Systemgeneration macht bereits signifikante Fortschritte. Die grösste Herausforderung besteht im laufenden Jahr darin, die Lebensdauer des Zellstapels markant zu erhöhen und dabei kommerziell einsetzbare Fertigungsmethoden anzuwenden. Der Betriebsverlust der Venture-Division stieg gegenüber dem Vorjahr nur unwesentlich an (CHF 15 Mio. gegenüber 13 Mio. im Jahr 2001). Sulzer Hexis wird alles daran setzen, ihr Brennstoffzellensystem für Einfamilienhäuser als erste im Markt zu etablieren.
Der Bereich Übrige trug mit einem EBITA von CHF 61 Mio. (Vorjahr CHF 36 Mio.) sehr positiv zum Gesamtergebnis bei. Das Liegenschaftengeschäft erreichte vor allem dank zahlreicher Veräusserungen ein Spitzenresultat und steuerte einen EBITA von CHF 77 Mio. bei (Vorjahr CHF 45 Mio.). Das im Frühjahr 2001 gesetzte Ziel, im Verlauf von 2001 und 2002 nicht mehr benötigte Liegenschaften im Wert von über CHF 200 Mio. zu verkaufen, konnte mit rund CHF 280 Mio. deutlich übertroffen werden.
Aus den nicht weitergeführten Bereichen resultierte 2002 vor allem als Folge des Verkaufs von Sulzer Burckhardt ein positives Betriebsergebnis (EBIT) von CHF 23 Mio. (Vorjahr CHF –49 Mio.).
Operative Verbesserungen im Vordergrund
Sulzer geht von einem anspruchsvollen Jahr 2003 aus. Die Konjunkturentwicklung lässt sich kaum prognostizieren, ihre Auswirkungen auf die einzelnen Industriesektoren sind ungewiss, und die politische Situation – insbesondere der Krisenherd Naher Osten – ist Grund zur Sorge. Sulzer wird den Schwerpunkt der Anstrengungen im laufenden Jahr auf die Verbesserung der operativen Abläufe legen. Ziel ist es, das operative Ergebnis der vier Kerndivisionen zu steigern. Der Nettogewinn wird im Jahr 2003 voraussichtlich aber zurückgehen, da die Liegenschaftenverkäufe nicht mehr das aussergewöhnliche Niveau des Berichtsjahres erreichen werden.
Die Sulzer-Aktionäre haben an der Generalversammlung 2002 sehr aktionärsfreundlichen Änderungen in den Statuten zugestimmt. Zudem wurde der Verwaltungsrat fast vollständig erneuert. Der Verwaltungsrat schlägt nun der kommenden Generalversammlung vom 16. April die Zuwahl von CEO Fred Kindle sowie die Wiederwahl von Mario Fontana und Daniel J. Sauter in den Verwaltungsrat vor. Neu würde der Sulzer-Vewaltungsrat aus sieben Mitgliedern bestehen.
Gemäss Corporate-Governance-Richtlinien der Schweizer Börse SWX legt Sulzer die Bezüge von Verwaltungsrat und Konzernleitung offen: Der Verwaltungsrat (5 Mitglieder bis im Frühjahr 2002, danach 6 Mitglieder) erhielt im Jahr 2002 Vergütungen von insgesamt CHF 1,0 Mio. in bar sowie 9500 Optionen. Die Konzernleitung (10 Mitglieder) wurde 2002 mit CHF 6,1 Mio. in bar sowie 25 600 Optionen entschädigt.
Kurzfassung Kennzahlen Kurzfassung Kennzahlen
Die wichtigsten Kennzahlen der weitergeführten Bereiche (in Mio. CHF)
|
|
2002
|
2001
|
± in % |
± in %, bereinigt * |
|
Bestellungseingang |
1917 |
2016 |
–5 |
+2 |
|
Umsatzerlös |
1946 |
1965 |
–1 |
+4 |
|
Betriebsergebnis vor Goodwillabschr. EBITA |
143 |
146 |
–2 |
|
|
Betriebsergebnis EBIT |
113 |
119 |
–5 |
|
|
Personalbestand (Anzahl am Jahresende) |
9108 |
9376 |
–3 |
|
Die wichtigsten Kennzahlen des Konzerns (in Mio. CHF) (im Vorjahr einschliesslich der nicht weitergeführten Bereiche)
|
|
2002
Total |
2001
Sulzer ohne Centerpulse** |
2001
Total mit Centerpulse |
|
Bestellungseingang |
1917 |
3215 |
3929 |
|
Umsatzerlös |
1946 |
2988 |
3701 |
|
Betriebsergebnis vor Goodwillabschr. EBITA |
149 |
–59 |
–856 |
|
Betriebsergebnis EBIT |
136 |
70 |
–755 |
|
Nettogewinn/-verlust |
83 |
2 |
–448 |
|
Nettogewinn/-verlust pro Aktie (in CHF) EPS |
24 |
1 |
–129 |
|
Personalbestand (Anzahl am Jahresende) |
9113 |
9916 |
9916 | * akquisitions-, devestitions- und währungsbereinigt ** «Sulzer ohne Centerpulse» enthält alle weitergeführten und nicht weitergeführten Aktivitäten ohne Centerpulse (die frühere Sulzer Medica)
Die wichtigsten Kennzahlen der Divisionen (in Mio. CHF)
|
Bestellungseingang |
2002 |
2001 |
± in % |
± in %, bereinigt * |
|
Kerndivisionen |
1863 |
1921 |
–3 |
+2 |
|
Sulzer Metco |
429 |
429 |
+0 |
–8 |
|
Sulzer Turbomachinery Services |
193 |
206 |
–6 |
–6 |
|
Sulzer Pumps |
942 |
984 |
–4 |
+6 |
|
Sulzer Chemtech |
299 |
302 |
–1 |
+5 |
|
Venture-Division (Sulzer Hexis) |
2 |
8 |
– |
– |
|
Übrige |
52 |
87 |
–40 |
– |
|
Weitergeführte Bereiche |
1917 |
2016 |
–5 |
+2 |
|
Nicht weitergeführte Bereiche |
– |
1199 |
– |
– |
|
Umsatzerlös |
2002 |
2001 |
± in % |
± in %, bereinigt * |
|
Kerndivisionen |
1883 |
1875 |
+0 |
+4 |
|
Sulzer Metco |
465 |
422 |
+10 |
–1 |
|
Sulzer Turbomachinery Services |
194 |
194 |
+0 |
+2 |
|
Sulzer Pumps |
934 |
947 |
–1 |
+9 |
|
Sulzer Chemtech |
290 |
312 |
–7 |
–1 |
|
Venture-Division (Sulzer Hexis) |
2 |
1 |
– |
– |
|
Übrige |
61 |
89 |
–31 |
–3 |
|
Weitergeführte Bereiche |
1946 |
1965 |
–1 |
+4 |
|
Nicht weitergeführte Bereiche |
– |
1023 |
– |
– |
|
Betriebsergebnis vor Goodwillabschreibung (EBITA) *** |
2002 |
2001 |
± in % |
|
Kerndivisionen |
97 |
123 |
–21 |
|
Sulzer Metco |
25 |
45 |
–44 |
|
Sulzer Turbomachinery Services |
22 |
25 |
–12 |
|
Sulzer Pumps |
38 |
47 |
–19 |
|
Sulzer Chemtech |
12 |
6 |
– |
|
Venture-Division (Sulzer Hexis) |
–15 |
–13 |
– |
|
Übrige |
61 |
36 |
+69 |
|
Weitergeführte Bereiche |
143 |
146 |
–2 |
|
Nicht weitergeführte Bereiche |
6 |
–205 |
– | * akquisitions-, devestitions- und währungsbereinigt *** ohne Erfolg aus Veräusserung nicht weitergeführter Geschäfte |